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Liebe Freigeister, Freiwillige, freihändig Fliegende, verehrte Freiläufe!

Die Deutung des Freiheitsbegriffs ist in wirklich jedem Kopf eine andere. Für manche ist sie vornehmlich die Befreiung von etwas, andere sehen die Freiheit als Entfaltungsraum. Im sozialen Gefüge geht’s dann wieder um die Abgrenzung: Wo beginnt deine, wo endet meine? Bei aller Unterschiedlichkeit können sich die meisten Menschen aber wohl darauf einigen, dass ein Fahrrad eher zur persönlichen Freiheit beiträgt, als dass es sie schmälert. Und das auch trotz schlimmer Infrastruktur …

„Freiheitsmaschine“ ist darum der Begriff, der sich als dicker roter Schal durch dieses Heft zieht, aber auch durch frühere Ausgaben und sehr viele unserer Biografien. Wie kein anderes Vehikel repräsentiert das Fahrrad für Kinder wie Erwachsene die Selbstermächtigung: die vollkommen selbstbestimmte Wahl des eigenen Aufenthaltsortes, gepaart mit einer verführerischen Verbindung zur Umgebung und der Fortbewegung aus eigener Kraft. Das alles zudem in einer der Seele entsprechenden Geschwindigkeit. Manche Menschen erleben das Fahrrad auch als Mittel, um räumlichen Zwängen und der Kontrolle Dritter zu entkommen. Auch im historischen Kampf um Frauenrechte spielte das Radfahren eine wichtige Rolle. In all dem liegen essenzielle Gefühle und ein großer Zauber.

Wir schauen in diesem Heft außerdem auf Aspekte wie Freizeit – das Fahrrad ist immer noch der Deutschen liebstes Freizeitgerät – und das kostenfreie Zurverfügungstellen von Rädern. Wir erinnern, wie das Fahrrad konkret im Widerstand gegen den Faschismus genutzt wurde und überlegen, welche Freiheit ein S-Pedelec bieten könnte. Wir wünschen uns, mit unserem Heft #45 ein paar spannende und nachhallende Einblicke in die Befreiung, in gelebte und auch vermisste Freiheit geben zu können. Unsere Protagonist*innen sind dabei Vorbilder wie du und ich.

H. David Koßmann
und das fahrstilTeam

Liebe Schmutzfinger, erhabene Hollandräder, umarmte Zyniker*innen, liebe Nachtwache,

Ich weiß nicht, wie Euch das geht, aber (zivil) schwarz gekleideten Menschen gebe ich oft einen Sympathievorschuss. Das betrifft auch Leute-auf-Rädern, selbst wenn verkehrs- und wettertechnisch ’ne Menge dagegen spricht, auf dem Rad Schwarz zu tragen. Es hat da etwas Ernsthaftes, Nobles, zurückgenommen Stilvolles. Gemeinhin ist natürlich Schwarz „die Farbe des Bösen“, des Todes, der Abgründe und Uniformen, von Wolf, Darth Vader und Assassinen. Doch je genauer man hinguckt, desto mehr entpuppen sich Nuancen, Texturen und Geschichten – mit denen sich zu beschäftigen echt Spaß macht. Ging uns jedenfalls so mit diesem Schwerpunkt. Das dunkle Dutzend dieses Hefts streift so die ganz dingliche Schwärze von Reifen, die von Asphalt und die eines wahren Fahrradklassikers, es betrachtet aber auch die Abwesenheit von Licht – unter Tage, nachts oder im Gemüt. Wir reisen vom und ins Schwarz, begegnen Schwarzen Menschen und halten kurz an in politischer Tiefschwärze.

H. David Koßmann
und das fahrstilTeam

Liebe Tretmaschinen, verehrte Schriftsetzer*innen, bewundernswerte Entspannte und liebe Manometer

In dieser Ausgabe nähern wir uns wieder auf viele Weisen einem total abstrakten Gegenstand – bzw. einem Begriff mit vielen Deutungsebenen. Manchmal im Plauderton und manchmal mit Nachdruck. Spannend ist dabei, wie der Druck zwischen sehr wohlwollender und strikt ablehnender Wahrnehmung schillert. Manche nervt „der Druck“ so allgemein ganz gewaltig, manche können „nur unter Druck richtig performen“, andere haben großen Spaß am Druck, den sie „aufs Pedal bringen“. Währenddessen sind sich alle einig, dass der gesellschaftlich atmosphärische Druck weiter steigt – für manche ins Unerträgliche.

Zwischen die Deckel dieser Ausgabe gepresst findet Ihr physikalischen Druck (Material, Zeit, Luft) und gesellschaftlichen (Ausgrenzung und Zugehörigkeit, Leistung, Gruppendynamik), aber genauso Druck, den sich manche*r selbst macht und den natürlichsten Druck der Welt. Außerdem gibt’s hier erstmals einen „Wildcard“-Beitrag, der rein gar nichts mit dem Heftthema zu tun hat, aber trotzdem dringend reinmusste.

H. David Koßmann
und das fahrstilTeam

Horcht, es klingt wie Radfahren!

Das Radfahren hat eine so viel reichere akustische Geräuschkulisse als die ewige Klingel und das lederne Liedgut von den Prinzen oder Queen … In dieser Ausgabe hören wir darum genau hin, was die Musik in unseren Ohren ausmacht. Wir laden auch zum Feiern ein: Die Singlespeed-Cyclocross-WM war ’ne mächtige Sause und der Fahrradzirkus zaubert Freude ins Herz. Die Zuschauerparty am Straßenrand wiederum kann für Profis richtig anstrengend werden. Und wird Fahrtwind nicht auch gefährlich für die Ohren? Dürfen E-Bikes nach Motor klingen? Warum sind Naben laut oder leise – und was davon ist cool? Wie klingt das Fahrrad eigentlich im Podcast? Und wie tönt das Radabenteuer in der Ferne oder direkt vor der Haustür?

Wir wollen dieses Heft auch nutzen, ein paar Sachen laut auszusprechen, die sonst eher leise bleiben: Wie die Nazis den Radsport nutzten – und wie das seither verschwiegen wird. Oder weshalb viele Menschen echt nicht gern in Radläden gehen. Unser Filmtipp handelt vom systematischen Doping in Russland. Und apropos: In der Geschichte Dmitry Nechaevs steht vieles auch zwischen den Zeilen.

Auch wenn der ganze Fahrradmedienzirkus mittlerweile ganz schön laut geworden ist, hoffen wir, mit unserer Ausgabe 42 etwas zur leisen Unterhaltung und genüsslichen Reflexion beizutragen.

H. David Koßmann
und das klingende fahrstil-Team

Liebe Sterntaler, Vorsicht, Ihr Guck-in-die-Luft-Hänse, hallo Zielstrebende und helle Lichter in finstrer Nacht!

Ein nahezu heiliges Thema bringt uns hier zusammen, mindestens aber ein weihnachtliches. Natürlich war das Absicht. Zu einer Jahreszeit, in der wir eh alle nach Licht und Wärme suchen, kommt derzeit ein Weltgeschehen, in dem Menschen ihre dunkelsten und kältesten Seiten auspacken. Und es wird immer normaler, dass sie das tun. Natürlich kann und will ein kleines Feuilleton auf Rädern hier keine Heilung und keinen Heiland liefern. Aber sicherlich eignet es sich als Begleitung in ein paar behütet-kuschligen Sofastunden und vielleicht kann es sogar ein paar Impulse setzen, bewusst etwas Wärme und Licht miteinander zu teilen. Nur nicht mit Nazis. Nazis sind scheiße. Immer.

In unserer 41. Auslage präsentieren wir ein buntes, kaum zähmbares Funkeln: das gesamte Weltall, das Euch auf einem Rad besucht, sonderbare Fahrräder mit dem Namen Stern, Navigation ganz ohne Sterne oder Satelliten … Wir bieten Sterneküche, Sheriffsterne und Gedanken über das Radeln unter den Sternen. Außerdem erzählen wir von Stars im Sport, Sternchen im Netz und Außerirdischen in Fahrradkörben. Und natürlich spielt der Stern auch als politisches Symbol eine Rolle: Sternförmig radelnd machen wir auf Verkehrsprobleme aufmerksam. In der Ukraine wird der Sowjetstern abgerissen – wir erzählen von einer Radreise in den Krieg. Und dann ist ja der Davidstern derzeit oft in den Nachrichten zu sehen – hier gibt es ein zum Verwechseln ähnliches Doppeldreieck.

Habt viel Spaß in Sessel und Sattel!

We are stardust.

H. David Koßmann
und das glänzende fahrstil-Team